Geschichte

Die Gründung des Vereins erfolgte 1906. Oberkirch war zu dieser Zeit ein aufstrebendes Städtchen und beherbergte neben den alteingesessenen Industriebetrieben Koehler, Linck, Ruch u. a. mancherlei Behörden.

Das mag wohl - so sonderbar es auch klingen mag - dem damaligen praktischen Arzt, Dr. Karl Bernhard, ein geborener Saarländer, dazu bewogen haben, diesen jungen Pionieren der Schreibfeder zu einer schnelleren Schrift zu verhelfen. Seine Anregung, in Oberkirch einen Kurzschriftkurs abzuhalten, fiel auf fruchtbaren Boden. In der Gewerbeschule versammelte sich darum eine stattliche Anzahl lernbegieriger junger und älterer Leute. Der Älteste mag wohl der längst verstorbene Sparkassenvorstand Otto Frühe gewesen sein. Wie Zeitgenossen berichteten, war Dr. Bernhard ein sehr eifriger und strenger Lehrer. Die Unterrichtsabende dauerten gewöhnlich 2,5 Stunden, die Hausaufgaben waren so umfangreich, dass meist ein Heft mit 22 Seiten Umfang vollgeschrieben werden musste. Nach Schluss des ersten Lehrgangs fand ein Wettschreiben statt, das mit einem Ausflug auf die Ruine Neuenstein gefeiert wurde.

Nach Beendigung des ersten Lehrgangs fand am 25. März 1906 die eigentliche Gründungsfeier des Stenografenvereins "Stolze-Schrey" im Hotel "Obere Linde" statt. Anwesend waren 5 Gründungsmitglieder und der Vertreter des Badischen Stenografenbundes. Die "Obere Linde" und das Gasthaus "Schwarzer Adler" waren nacheinander Vereinslokale.

Leider hat der junge Verein seinen Gründer und ersten Unterrichtsleiter sehr früh verloren. Weil die ärztliche Praxis nicht die erhoffte finanzielle Sicherheit erbrachte, verzog Dr. Bernhard im Jahre 1907 nach Aidlingen. Er verstarb er am 28. Mai 1955 in Herbrechtingen.

Die jahrzehntelangen Bestrebungen um die Schaffung einer einheitlichen deutschen Kurzschrift konnten 1924 erfolgreich abgeschlossen werden. In den folgenden Jahren wurde daher an Stelle des bisherigen Systems "Stolze-Schrey" in Deutscher Einheitskurzschrift unterrichtet.

Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde der Verein am 31. März 1946 als erster Verein Südwestdeutschlands wiedergegründet. Die Festversammlung fand im Gasthaus "Ochsen" statt. Bereits vier Monate später konnte bereits das erste Wettschreiben nach Kriegsende durchgeführt werden.

An dieser Stelle seien zwei Mitglieder des Stenografenvereins dankbar erwähnt: die ruhelose und engagiert auftretende "Steno-Mutter" Emma Kimmig, welche in vielen Jahrzehnten maßgeblich die Vereinsgeschicke mitbestimmte. Ihr Bruder, unser Ehrenvorsitzender Anton Kimmig, leitete den Verein von 1950 bis ins Jahr 1974, er war der stenografischen Sache fast 25 Jahre eng verbunden.

1974 übernahm der junge Stadtamtmann Hans Schwendemann den Vorsitz. Seit 1961 war er bereits Schriftführer im Verein. In seine Amtszeit fiel der Verbandstag 1976 in Oberkirch. Eine Herkulesaufgabe für die Oberkircher Schriftfreunde. Mehrere hundert Wettschreiber füllten seinerzeit die Oberkircher Stadthalle. Hans Schwendemann lenkte 10 Jahre das Vereinsschiff. Von 1984 - 2014 übernahm er den Stellvertretenden Vereinsvorsitz.

In der Generalversammlung 1984 wählte die Versammlung den Bankkaufmann Gerhard Meier zum Nachfolger von Hans Schwendemann und damit zum 1. Vorsitzenden. Diese Tätigkeit übt Schriftfreund Meier bis zum heutigen Tag aus. In seine bisherige Amtszeit fielen die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Vereinsjubiläum 2006. Unvergessen ist uns allen der Festakt in der Erwin-Braun-Halle mit einer großen Anzahl geladener Gäste.