Stenografie
Was ist Stenografie? Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Vielleicht hilft uns hier das Internet weiter: Beim Suchbegriff "Stenografenverein" findet die Suchmaschine Google immerhin über 2.300 Einträge. Aber das ist eine andere Geschichte. Das Lexikon schildert knapp:

"Stenografie (griech. "eng"), die Kurzschrift, Schnellschrift mit besonderen, kurzen Zeichen, festen Kürzungen und Regeln. Eine moderne Stenografie ist dem Wesen nach eine Buchstabenschrift, enthält jedoch Elemente der Silben- und der Wortschrift. Für die Stenografie gibt es drei wesentliche Anwendungsbereiche: Notizschrift für private Aufzeichnungen, Berufsschrift für Telefonnotizen, Protokolle u. a., Verhandlungsschrift (Redeschrift) zur wörtlichen Aufnahme von Reden. Man unterscheidet geometrische und kursive Stenografiesysteme.

Kurzschrift gab es schon im griechischen (als Tachygraphie) und römischen (als Tironische Noten) Altertum. Die Bezeichnung Stenografie tauchte zuerst 1602 in England auf. Franz-Xaver Gabelsberger veröffentlichte 1834 sein kursives System, mit dem sich die Stenografie in Deutschland durchzusetzen begann; weiter kursive Systeme wurden entwickelt, z. B. W. Stolze, 1841, F. Schrey, 1887, die Stenotachygraphie und die National-Stenografie. 1897 entstand das Einigungssystem Stolze-Schrey. 1924 kam die Deutsche Einheitskurzschrift (DEK) zustande, die nach Systemrevisionen (1936 und 1968) noch heute gelehrt wird (in den drei Stufen Verkehrsschrift, Eilschrift, Redeschrift. In Österreich wird ebenfalls die Deutsche Einheitskurzschrift geschrieben, in der Schweiz Stolze-Schrey." (Der Brockhaus in fünfzehn Bänden, 1999)

Der 80. Geburtstag der Deutschen Einheitskurzschrift am 20. September 2004 ist ein willkommener Anlass, an die Reichtagsrede zu erinnern, die der spätere deutsche Bundespräsident, Theodor Heuss, gehalten hat. Die heitere Ironie dieser Rede hat die Verkrampfungen gelöst und im Kapitel der Stenografie Geschichte gemacht. Hier ein Auszug: "in einer Stadt nördlich von Peking lernten sich zwei Deutsche kennen und sie befreundeten sich in ihrer Einsamkeit. Nach einiger Zeit stellten sie fest, dass der eine ein Preuße, der andere ein Bayer sei, und es fiel ein Schatten auf diese Freundschaft. Aber nach einigen Monaten kamen sie wieder zusammen; sie vertrugen sich wieder recht gut, bis sich ergab, dass der eine Protestant und der andere ein Katholik sei. Neue Beschwernis und neue Trennung! Doch das Alleinsein trieb sie wieder zusammen. Da war der eine Gabelsberger, der andere Stolze-Schreyaner - sie haben sich nie mehr in ihrem Leben gesehen. (Heiterkeit). Diese Geschichte ist nun vermutlich nicht in China passiert, aber sie hat sich sehr oft in Deutschland abgespielt".

Wie oft hört man heute die Ansicht: "Was Sie lernen Kurzschrift? Ach, die ist doch durch die Diktiergeräte überholt!" Wenn man aber auf solche Naivität antwortet: "Warum lernen Sie dann noch Rechnen? Es gibt doch längst Rechenmaschinen. Und Schreiben brauchen Sie doch auch nicht mehr zu lernen, es gibt doch längst Schreibmaschinen!" - dann werden die Leute plötzlich hellhörig, weil sie durch die bombastische Werbung für die Diktiergeräte den Eindruck gewonnen hatten: Die Kurzschrift ist durch das Tonband- oder Diktiergeräte ersetzt worden ...


... die Anekdote in Kurzschrift